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zurück  Holzbau

Holz ist ein ökologischer, natürlich nachwachsender Rohstoff. Seine chemischen und physikalischen Materialeigenschaften variieren je nach Baumarten und schwanken bei verschiedenen Standort- und Wachstumsbedingungen. Unabhängig von den sonstigen, baumspezifischen Besonderheiten wie Wuchs, Ästigkeit und wechselnder Festigkeit in Abhängigkeit zur Rohdichte, ist für den Werkstoff Holz die Anisotropie der feuchtigkeitsbedingten Abmessungsänderungen, das Quellen und Schwinden, charakteristisch.
Über Jahrhunderte haben die Abmessungen des Einzelbaumes die Länge von Schiffen, die Höhe von Masten oder die Spannweite von Decken bestimmt. Dabei war jedoch nicht nur ausschließlich die verwendete Holzgüte für die Dauerhaftigkeit maßgebend, sondern vor allem die sinnreiche Konstruktion, die dem Holz ausreichend Spielraum für natürliche Bewegungen gewährt.
Daneben entwickelte sich das Bestreben, dem naturgewachsenen Holz den Bewegungsdrang durch Zerkleinern zu nehmen. So lässt sich die Fertigkeit des Menschen, dünne Brettchen herzustellen und zu verarbeiten, archäologisch weit zurückverfolgen. Um 2000 v. Chr. War den Ägyptern bereits die Herstellung von Sperrholz aus dünnen Brettchen bekannt.
Bis vor etwa 150 Jahren war Holz neben dem Naturstein der dominierende Baustoff. Mit seinen universellen Eigenschaften und den vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten war es das Material, aus dem nahezu alles, von der Behausung mit Möbeln und Gerätschaften bis zu Schiffen und Brücken, hergestellt wurde. Mit der Industrialisierung verlor der Werkstoff Holz in Europa seit Mitte des 19. Jahrhunderts dramatisch an Marktanteilen.
Die Anforderungen der Massenproduktion konnte Holz aufgrund seiner Anisotropie und der fehlenden Normierbarkeit nicht genügen. Die Folge war die Verdrängung durch den Stahl im 19. und durch den Stahlbeton seit der Wende ins 20. Jahrhundert. Die Tendenz der Holzverdrängung hält bis in die Gegenwart an. Seit den fünfziger Jahren werden hölzerne Eisenbahnschwellen und Telegrafenmaste durch Beton und Stahlbeton ersetzt. Kunststoffe haben in vielen Spezialbereichen wie z.B. im Fensterbau dem Holz beträchtliche Marktanteile entzogen. In den letzten Jahren wurden verschiedene konstruktiv und statisch wirksame Holzwerkstoffe entwickelt und bauaufsichtlich zugelassen, die mit standardisierten Materialkennwerten den Anforderungen an die industrielle Fertigung entsprechen und im Bauwesen zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Der traditionelle Zimmermanns-Holzbau ist wesentlich geprägt durch die Holzverbindungen, mit denen die einzelnen Stäbe – Rund- und Kanthölzer – zu den Tragwerken zusammengefügt wurden. Diese Verbindungen waren ausschließlich Kontaktverbindungen, bei denen Druckkontakt und ggf. Reibung übertragen werden. Seit der Entwicklung neuer Verbindungsmittel am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden allerdings die „einfachen“ Holzverbindungen größtenteils durch die neuen Verbindungsmittel ersetzt. Lediglich die Versätze und (seltener) die rechteckigen Hartholzdübel wurden auch weiterhin im neuzeitlichen Ingenieurholzbau angewendet, vor allem weil ihre Tragfähigkeit auch rechnerisch hinreichend genau erfassbar war.

Die konstruktive Typologie der Holzbauweisen reicht von stabförmigen bis zu massiven Konstruktionen:

  • Holzskelettbau

  • Holzrahmenbau / Holztafelbau

  • Holz-Massivbauweise

  • Blockbauweise

  • Fachwerkbau