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zurück  Stahlbetonbau

Unter Stahlbeton versteht man → Beton mit einbetonierten Stahlstäben – der Beton wird mit → Stahleinlagen „bewehrt“ (früher: „armiert“ nach dem französischen „béton armé“). Stahlbeton ist somit ein Verbundbaustoff, wobei der Verbund zwischen dem Beton und den Stahleinlagen durch die Haftung des Bindemittels Zement und durch Verzahnung entsteht.

Die Bewehrungsstäbe haben bei auf Biegung oder Zug beanspruchten Bauteilen die Zugkräfte aufzunehmen, sobald die Zugspannungen die geringe Zugfestigkeit des Betons überschreiten und der Beton dadurch reißt. Ein unbewehrter Betonbalken würde beim ersten Riss schlagartig versagen, ohne das die weit höhere Druckfestigkeit des Betons ausgenützt wäre. Die Bewehrung muss also in der Zugzone der Bauteile und möglichst in Richtung der inneren Zugkräfte eingelegt werden. Die hohe Druckfestigkeit des Betons kann dadurch für Biegung in Baken und Platten ausgenützt werden. Bei nur auf Druck beanspruchten Bauteilen können Stahleinlagen die Tragfähigkeit auf Druck erhöhen.
Beton mit hydraulisch erhärtendem Kalk oder Puzzolan-Zement (vulkanischer Herkunft) als Bindemittel war schon den Römern bekannt. Die Erfindungen des Romanzements im Jahre 1796 durch den Engländer J. Parker und des Portlandzements durch den Franzosen J. Aspdin im Jahre 1824 leiteten die neuere Entwicklung zum Betonbau ein.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden erstmals in Frankreich Stahleinlagen in Beton eingebaut: 1855 baute J. L. Lambot einen Kahn aus eisenverstärktem Zementmörtel, 1861 stellte J. Monier Blumenkübel aus Beton mit Drahteinlagen her (Monier-Beton), 1861 veröffentlichte F. Coignet Grundsätze für das Bauen mit bewehrten Beton und stellte 1867 auf der Weltausstellung in Paris Träger und Röhren aus bewehrtem Beton aus.
Das Auftreten der Risse im Beton wurde lange Zeit als schädlich angesehen und verzögerte die Anwendung des Stahlbetons. Heute weiß man, dass die Risse haarfein bleiben, wenn die Stahlstäbe gut verteilt und nicht zu dick gewählt werden. Unter normalen Verhältnissen besteht keine Korrosionsgefahr für die Stahleinlagen, wenn große Risse vermieden werden.
Wegen der Rissbildung machte M. Koenen bereits 1907 den Vorschlag, den Beton durch Anspannen der Stahlstäbe unter so hohe Druckspannungen zu setzen, dass sich bei Biegung keine Risse bilden können. Einen Stahlbeton mit derart „vorgespannten“ Stahleinlagen nennt man heute Spannbeton. Die damaligen Versuche schlugen fehl, weil man noch nicht wusste, dass sich Beton mit der Zeit durch Schwinden und Kriechen verkürzt und so die Vorspannung im gewöhnlichen Stahl verloren geht. Erst 1928 entwickelte E. Freyssinet Verfahren mit hochfesten Stählen, mit denen genügend hohe bleibende Druckspannungen erzeugt werden konnten.

Der Stahlbeton wird in allen Bereichen des Bauwesens verwendet, seine wesentlichen Vorteile sind:

  • er ist leicht formbar: Frischbeton passt sich jeder Schalungsform an; die Stahleinlagen können entsprechend dem inneren Kraftfluss eingelegt werden,

  • er ist widerstandsfähig gegen Feuer, Witterungseinflüsse und mechanische Abnutzung,

  • er eignet sich für monolithische (fugenlose) Tragwerke, die als vielfach statisch unbestimmte Konstruktionen hohe Tragreserven und Sicherheiten aufweisen,

  • er ist wirtschaftlich (billige Rohstoffe wie Sand und Kies) und bedarf in der Regel keiner Unterhaltung.


  • Als nachteilig sei erwähnt:

  • großes Eigengewicht der Tragwerke,

  • geringer Wärmeschutz des Normalbetons,

  • Umbauten und Abbruch sind aufwendig und teuer,

  • Schädigung durch verschmutzte Luft, insbesondere durch CO2 und SO2 sowie streusalzhaltige Wasser oder Sprühnebel.